Das historische k.u.k. Infanterie Regiment Nummer 99


Karl Reinelt (1891-1951)

 

Karl Reinelt wurde am 24. Juli 1891 in Wien geboren und entschied sich zu einer aktiven Karriere als Berufsunteroffizier. Zu Kriegsbeginn war Karl Reinelt verheiratet, ein Sohn war gerade unterwegs, und Zugsführer im Znaimer k.u.k. Infanterie Regiment Nr. 99. Bereits am 23. September 1914 wurde er, als Zugsführer und titular Feldwebel, für die am 25. und 26. August 1914 stattgefundenen Gefechte mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille 2. Klasse ausgezeichnet – laut Belohnungsantrag wegen: „Besonders zweckmäßiger Führung der Munitions-Staffel, wodurch die M.G. Abtl. rechtzeitig zur Abwehr eines Flankenangriffs eingesetzt wurde.

Im Februar 1915 erfolgte die Verleihung der Silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse, diesmal schon als Feldwebel ohne Titular-Rang. Für einen Angriff am 13. und ein Rückzugsgefecht am 17. September 1915 wurde Karl Reinelt, inzwischen Stabsfeldwebel und Kommandant einer Maschinengewehr-Abteilung, mit der Goldenen Tapferkeitsmedaille dekoriert.

Auf Wunsch der Hauptleitung des Vereins „Ring der Goldenen Tapferkeitsmedaille“ verfasste er am 30. August 1936 folgenden Bericht über die Umstände, die zur Verleihung dieser höchsten Tapferkeitsauszeichnung geführt haben:

Stand am 13.IX.1915 als Maschinengewehr-Abteilungs-Kommandant mit 4 M.G. bei Jelowica in Wolhynien und war beim II.Baon des IR 99 zugeteilt. Drei Kompanien des Baons hatten die Weisung die russischen Stellungen anzugreifen. Die 4. Kompanie und meine M.G. hatten die Weisung in Reserve zu bleiben und weitere Befehle anzuwarten. Ich stand an einer Waldlisere und beobachtete das Vorrücken der drei Kompanien. Als ich sah, dass die vorrückenden Kompanien infolge des russischen M.G.Feuers und starkem Infanterie-Feuer große Verluste erlitten und nicht mehr vorrücken konnten, wartete ich keine weiteren Weisungen mehr ab, sondern ging mit meiner Abteilung außerhalb des linken Flügels (links war kein Anschluss) über die Höhe der eigenen Stellung vor. Konnte durch mein plötzliches Erscheinen die Russen in der Flanke nehmen und der Angriff wurde nicht nur vorgetragen, sondern die russischen Stellungen ohne weitere größere Verluste gestürmt werden.

Am 17.IX.1915 war ich mit meinen 4 M.G. in der Stellung vor Karpilowka (Wolhynien). Um ½ 4 Uhr früh setzte beim NachbarBaon plötzlich ein russischer Angriff ein. Die Russen erstürmten die Stellung und nicht nur der Nachbarabschnitt, sondern auch der des eigenen Baons wurde mitgerissen und alles flüchtete. Mit gezogener Pistole trat ich den Zurückflutenden entgegen, sammelte auf diese Weise ca. 200 Mann und besetzte mit diesen und meinen 4 M.G. die Waldlisere vor dem Jägerhaus von Leysin. Da kein Offizier zur Stelle war, gab ich meine Weisungen und es gelang mir den russischen Angriff abzufangen, zum Stehen zu bringen und 3 Stunden meine Stellung zu halten bis Verstärkung eintraf.

Während dieser Zeit gelang es mir sogar, von 2 auffahrenden russischen Geschützen, eines durch M.G.Feuer außer Gefecht zu setzen. Aber nicht nur eigene Verstärkung traf ein, sondern auch die Russen zogen Reserven heran und stürmten links von meinem Abschnitt, sodass ich um nicht von der Flanke erfasst zu werden, einen Stellungswechsel vornehmen musste. Aber auch hier drängten die Russen mit großer Übermacht weiter.

Ich erhielt in dieser Situation von meinem Oberst die Weisung mich vom Gegner los zu lösen und ca. 10 km östlich, auf den Höhen von Kotow, beim IR 99 Anschluss zu suchen. Langsam und vorsichtig nahm ich M.G. um M.G. aus der Stellung zurück und es gelang mir trotz heftigen Verfolgungsfeuer das gesamte M.G. Material und die meisten meiner Braven in Sicherheit zu bringen.

Ich selbst bediente während dieses Gefechtes öfters das M.G. um meine Leute anzuspornen. Auch trug ich auf der langen Strecke von der Stellung bis Kotow selbst ein M.G., damit mir von den Leuten niemand Material wegwerfe, denn damals hatten wir gerade Mangel an Nachschub von M.G.. Ich war zu dieser Zeit bereits im Besitze der großen und kleinen Silbernen.

Die Goldene Tapferkeitsmedaille wurde Karl Reinelt, mittlerweile zum Offiziersstellvertreter befördert, von Kaiser Karl persönlich am 6. Februar 1916 überreicht, die Veröffentlichung im Personalverordnungsblatt erfolgte am 24. Juni 1916. Im weiteren Verlauf des Krieges wurde Offiziersstellvertreter Reinelt noch mit der Bronzenen Tapferkeitsmedaille (August 1916) und der preußischen Kriegerverdienstmedaille ausgezeichnet. Nach einer Verwundung, Durchschuss der linken Hand, blieben zwei Finger steif.

Nach Beendigung seines Militärdienstes im Jahre 1919 wechselte Karl Reinelt zur Wiener Sicherheitswache, was ihm und seiner Familie auf Dauer ein gutes Auskommen sicherte. Wie viele andere Träger der Goldenen Tapferkeitsmedaille wurde er, per 12. Oktober 1939, zum Leutnant a. D. in der Deutschen Wehrmacht befördert. Aufgrund gesundheitlicher Probleme wurde er aber nicht mehr im Kriege verwendet. Karl Reinelt starb am 4. August 1951 in Wien, nur 10 Tage nach seinem 60sten Geburtstag.

 

Copyright für Text und Bild: Jörg C. Steiner, Wien


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