Das historische k.u.k. Infanterie Regiment Nummer 99


Jakob Freund (1892-1953)

 

Jakob Freund wurde am 29. Februar 1892 in Guldenfurth Bezirk Nikolsburg geboren. Er wurde zum ordentlichen Präsenzdienst zum k.u.k. Infanterie Regiment Nr.99 eingezogen. Zuerst diente er in Znaim, später in der Rossauerkaserne in Wien. Zu Kriegsausbruch hatte er den Rang eines Korporals erreicht.

Zum Jahreswechsel 1915/16 wurde Jakob Freund, mittlerweile titular-Zugsführer, mit der bronzenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Eine Schrapnellschuß in der rechten Schulter setzte ihn einige Monate außer Gefecht, bevor er zu seinem Regiment, diesmal in die 8. Feldkompanie, an die Front in Italien zurückkehren konnte. Hier erhielt er schließlich auch seine Beförderung zum Feldwebel und das Karl-Truppen-Kreuz.

Auf Wunsch der Leitung des Rings der Goldenen Tapferkeitsmedaille verfasste Jakob Freund am 22. März 1937 eine wahrheitsgetreue Schilderung der Waffentat, die zur Verleihung der Goldenen Tapferkeitsmedaille geführt hatte:

"Es war bei der letzten Offensive gegen Italien im Juli 1918. Nachdem unsere Truppen im ersten Ansturm die italienischen Stellungen genommen, den Monte Asolone erstürmt und tief nach Süden vorgestossen waren, setzten die Feinde zum Generalangriff an.

Unser Regiment I.R.99 befand sich infolge seines geringen Mannschaftsstandes in Reserve. Als es aber den Italienern gelang unsere Truppen zurückzudrängen, wurden auch wir zum Gegenstoß eingesetzt. Es gelang uns auch durch schneidiges, mutiges Draufgehen den zahlenmässig weit überlegenen Feind aus seinen Stellungen zu werfen und Letztere auch gegen weitere feindliche Angriffe zu behaupten. Unsere Kompanie (= 8. Feldkompanie) hatte, als sie zum Gegenstoß eingesetzt wurde, einen Stand von cirka 90 Mann, mit diesen hatten wir eine Frontausdehnung von ungefähr 700 Schritten zu besetzen und zu halten.

Wir befanden uns in der dritten, erstürmten, feindlichen Stellung, vor uns die Laufgräben, die zum Gegner führten, in unserem Rücken die tiefen stark ausgebauten italienischen Drahthindernisse. Zum Aus- respektive Umbauen der Stellung blieb uns infolge fortwährender feindlicher Tätigkeit keine Zeit. Die Feinde unternahmen täglich mehrere Male durch vorangehendes Trommelfeuer gut vorbereitete Angriffe um ihre Stellungen wieder zurückzuerobern, was ihnen wohl teilweise, aber nie ganz gelungen ist.

So kam unter Angriff und Gegenangriff der 24. Juni heran. An diesem Tage, setzte schon in den frühesten Morgenstunden ein gewaltiges, langandauerndes Trommelfeuer auf die Spitze des Asolone ein, durch das unser erster Zug vollkommen verschüttet und aufgerieben wurde, sodass mit den Verlusten in den vorhergegangenen Kämpfen von unserer Kompanie noch cirka 25-30 Mann übrig blieben. Durch die Vernichtung des ersten Zuges entstand in unserem Abschnitt eine Bresche, in der die Italiener neuerlich durchzubrechen versuchten. Ihre Sturmpatrouillen gelang es auch in die Laufgräben unserer Stellung zu kommen. Sie wurden aber von mir und einigen rasch herbeigeholten Leuten im Handgemenge mit Dolch und Handgranaten zurückgeworfen und aufgerieben. Dabei bekam ich einen Bajonettstich in den linken Oberschenkel.

Als ich kaum diese Verletzung notdürftig verbunden hatte, waren die Italiener schon wieder zwischen uns und unserer Nachbarkompanie durchgebrochen und ziemlich weit hinter unserem Rücken in die Säcila-Schlucht vorgestossen. Ich nahm schnell einige Leute mit 2 Hand-Maschinengewehren, lief auf die Kote und kam so den Feind in den Rücken, ließ das Feuer auf ihn eröffnen und konnte, da er sich plötzlich in den Rücken angegriffen sah, Verwirrung in seine Reihen bringen. Da erscholl hinter uns der Ruf: 'Avanti Savoya' und schon waren die Italiener auf cirka 50 Schritte an uns heran. Gewehrfeuer krachte in uns hinein, Handgranaten explodierten und nur durch schnelles, umsichtiges Handeln (Maschinengewehr rasch umdrehen und ohne einzurichten Feuer auf die Feinde eröffnen) konnten wir die Italiener (wie ich nachträglich dann in Erfahrung brachte, sollte damals dort ein ganzes Regiment angegriffen haben), aufhalten und mit wenigen Mann tatsächlich nicht nur den feindlichen Angriff zum stehen zu bringen, sondern auch noch die Feinde zurückwerfen und ihnen beträchtliche Verluste zuzufügen.

Mittlerweile war es Abend geworden und ich wurde bei den Kämpfen am linken Oberarm verwundet (Durchschuß). Am Abend musste ich infolge des grossen Blutverlustes so leid es mir auch tat, meine Kameraden verlassen. Jetzt begab ich mich zum Baons Kommando und ersuchte um Verstärkung mit der Motivierung, dass sonst die Stellung nicht mehr zu halten sei. Der Baons Kommandant Oberleutnant Müller versprach mir seine im Ganzen aus 11 Mann bestehende Reserve einzusetzen, wenn ich, da durch das vorausgegangene Trommelfeuer einerseits, sämtliche mit Situationsberichten zum Regimentskommando geschickten Ordonnanzen verwundet oder gefallen waren, andererseits die Telefonleitungen zerschossen waren und dadurch das Reg.-Kommando ohne Nachricht blieb, zum Reg.-Kommando gehe und dem Reg-Kommandanten Oberst Straub auf der Col della Beretta die Lage schildere und Verstärkung anspreche.

Infolge meiner erhaltenen Verwundungen schleppte ich mich also mehr als ich ging noch den ziemlich weiten Weg zum Reg-Kommando. Nachdem ich dem Reg-Kommandanten die Lage geschildert und gemeldet hatte, teilte mir dieser mit, dass das Divisionskommando von ihm aus schön verständigt worden sei, dass die von uns am 15. eroberten, feindlichen Stellungen wieder aufgegeben werden mussten, was aber bis zu meinem Abgange aus der Stellung nicht der Fall war. Diese Tatsache wurde nun dem Divisionskommando mitgeteilt und richtig gestellt. Hiebei erfuhr ich, dass durch mein Verhalten bei den Kämpfen am Asolone und durch die als Verwundeter überbrachte wichtige Meldung das Regiment, die Brigade, ja sogar die Division vor Umzingelung und Gefangennahme gerettet wurden.

Die GOLDENE wurde mir hiefür als ich mich in meiner Heimatgemeinde als Rekonvaleszent befand, vom Reg-Kommando via Kader Bezirks Gendarmerie Kommando in meinem Vaterhaus vom Gendarmerie Posten Kommandanten überreicht."

Gemäß seiner Angaben war die überreichte Goldene Tapferkeitsmedaille mit dem Bildnis von Kaiser Karl ein vergoldetes Stück aus Bronze, das sich zumindest 1937 noch in seinem Besitz befand. Die Veröffentlichung der Verleihung, aufgrund des Befehls der Heeresgruppe Erzherzog Joseph Nr. 35023 vom 24.7.1918, erfolgte im Personalverordnungsblatt am 15. November 1918. Zu Ende des Krieges befand sich Feldwebel Freund noch immer auf Rekonvaleszent-Urlaub in seiner Heimatgemeinde. Es wurde ihm schnell klar, dass dort auf Dauer keine Arbeitsmöglichkeit für ihn gegeben war und so ging er, wie Viele Ende 1918, nach Wien um dort sein Glück zu versuchen. Zu Weihnachten 1918 gelang es ihm vorübergehend eine Anstellung bei der "Auskunfts- und Dirigierungsstelle für Berufsunteroffiziere" in der Stiftskaserne zu ergattern.

Schließlich gelang es Jakob Freund bei der Bundespolizei in Wien, mit 18. September 1919, angestellt zu werden. Er fand eine Wohnung im zweiten Wiener Gemeindebezirk, heiratete und wurde 1925 Vater eines Sohnes. Nach dem Einmarsch Deutscher Truppen in Österreich, Freund war zu diesem Zeitpunkt Polizei-Revier-Inspektor in Wien II. Leopoldstadt, wurde er, wie die meisten anderen Träger der Goldenen Tapferkeitsmedaille, gemäß dem sogenannten Tanneberg-Erlass, mit 30. Juli 1940 zum Leutnant a.D. in der Deutschen Wehrmacht befördert. Über den weiteren Lebensweg von Jakob Freund konnte leider nicht mehr ermittelt werden. Laut Unterlagen des, nach dem 2. Weltkrieg wieder gegründeten Vereins "Ring der Goldenen Tapferkeitsmedaille" ist er "im September 1953 in Wien" verstorben. Ein näheres Datum oder eine Grabstätte konnten heute nicht mehr ermittelt werden. 

 

Copyright für Text und Bild: Jörg C. Steiner, Wien


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